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Sachbericht zum Bundesmodellprojekt





INHALT

- Allgemeine Ziele
- Handlungsziele 2007/2008
- Arbeitsschwerpunkte und Aktivitäten für 07/08,   Erfahrungen und Ergebnisse in der Umsetzung
- Stellungnahme zur Umsetzung von Gender   Mainstreaming
- Schlussfolgerungen und Perspektiven





Allgemeine Ziele des Projekts
Das Leitziel des Projekts bestand darin, die Erziehungskompetenzen der Eltern aus Migrantenfamilien wirkungsvoll zu unterstützen und somit einen Beitrag zur schulischen und beruflichen Integration der Kinder zu leisten. Da das Projekt modellhaft erprobt wurde, sollte herausgefunden werden, wie der Bedarf der Eltern effektiv gedeckt werden kann, aber auch, wo die Hauptprioritäten liegen. Damit sollte die Übergangsphase der beruflichen Orientierung für beide Seiten (Eltern, aber auch Jugendliche) erleichtert und verständlich gemacht werden.

Daraus konnten folgende Ziele genannt werden: Die Eltern zu befähigen, das System der schulischen und beruflichen Bildung in Deutschland zu begreifen sowie die Anforderungen und Erwartungen, die zu Ausbildungsbeginn an Jugendliche gestellt werden, zu verstehen.

Den Eltern muss verständlich gemacht werden, welche Erziehungsleistungen nötig sind, damit ihre Kinder den Anforderungen des deutschen Ausbildungssystems gewachsen sind, und sie müssen erkennen, dass sie die Verantwortung dafür tragen. Unter anderem sollte es gewährleistet werden, dass die Kinder in der Übergangsphase Schule - Ausbildung/Studium - Beruf begleitet werden und familiäre Vorstellungen und Erwartungen mit den Anforderungen der deutschen Berufsrealität in Verbindung gebracht werden. Der Weg zu dem erwünschten Beruf dauert erfahrungsgemäß in Deutschland viel länger als in den Heimatländern. Aus dem Grund sollten die Jugendliche und deren Familien ermutigt werden ihren eigenen Weg zu finden und ihn auch wagen zu gehen, auch wenn er zeitliche Umwege mit sich bringt.

Die ausbildungsorientierte Elternarbeit sollte gewährleistet werden durch Informationstage über das Schul- und Ausbildungssystem in Deutschland sowie durch Elternabende zu verschiedenen Themen. Hausbesuche und individuelle Beratungstermine waren unter anderem bei allen Phasen des Projektes vorgesehen.

Die unterschiedlichen individuellen Ressourcen der Eltern sollten ebenso entdeckt und genutzt werden wie die Ressourcen der Kinder. Die Leistungen der Kinder sollen von den Eltern anerkannt werden. Vor allem aber müssen die Eltern motiviert werden, in den Bildungsprozessen mitzuarbeiten und damit sich als Elternteil weiter zu bilden, für sich nach möglichen beruflichen Chancen zu suchen, die Sprache zu lernen.

Handlungsziele 2007/2008
Das Projekt startete mit voller Kraft im April 2007. Die ersten sechs bis sieben Monate dienten als Projektaufbauphase. Für das Jahr 2007 wurden folgende Handlungsziele gesetzt:
- Öffentlichkeitsarbeit und Akquise. Es wurden Flugblätter in mehreren Sprachen (deutsch, polnisch, englisch, arabisch, persisch, türkisch) hergestellt. Die Internetseite wurde eingerichtet.
- Das Projekt auf der offiziellen Ebene möglichst bekannt zu machen. Das Projekt wurde beim Schulinformationszentrum, Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung, Beratungs- und Koordinierungsstelle zur beruflichen Qualifizierung von jungen Migrantinnen und Migranten, JMDs in Hamburg ausführlich vorgestellt. Die Resonanz war immer sehr positiv, einschließlich der Bereitschaft zur möglichen Kooperation.
- Das Projekt intern bei der AWO Migration gGmbH vorzustellen und eine Zusammenarbeit mit den internen Einrichtungen (z. B. mit Integrationszentren) zu konzipieren. Die AWO Migration gGmbH war ein Sprachkursträger. An drei Standorten in Hamburg wurden Integrationskurse und Beratung für Migranten angeboten. Es war geplant, mit Unterstützung von Kollegen im Rahmen des Unterrichts des Integrationskurses eine Doppelstunde zum Thema "Schul- und Bildungssystem in Deutschland" durchzuführen und die Eltern zu weiteren Veranstaltungen in ihren Muttersprachen einzuladen.
- Kooperationspartner zu definieren, Kooperationsvereinbarungen zu treffen, erste Veranstaltungen durchzuführen.
- Eine Kommunikationsgruppe für die Eltern zu gründen.

Für das Jahr 2008 wurden folgende Handlungsziele gesetzt:
- Aktive Vermittlung in die weiterführenden Schulen. (Januar - März 08)
- Entstehung eines polnischen Stammtisches
- Teilnahme an den regulären Elternabenden in den Kooperationsschulen.
- Planung und Durchführung der Infoveranstaltungen an den Kooperationsschulen im neuen Schuljahr (mit den neuen Klassen)
- Durchführung und Auswertung der Fragebogenumfrage in Verbindung mit Jena.
- Gründung der türkischen Elterninitiative an der Kooperationsschule Hermannstal
- Individuelle Beratung und Hausbesuche wurden auf allen Phasen des Projektes durchgeführt.
Vermittlung in die Sprach- und Integrationskurse

Arbeitsschwerpunkte und Aktivitäten für 2007/2008 Erfahrungen und Ergebnisse in der Umsetzung
Schlüsselaktivitäten, die in den zwei Jahren der Laufzeit durchgeführt worden sind, könnte man wir folgt zusammenfassen:

Individuelle Beratung.
Die individuelle Beratung mit einer Familie gibt die Möglichkeit die Familienmitglieder besser kennen zu lernen und ein Gefühl zu bekommen was die "echte" Beweggründe und "brennende Themen" sind. Sehr oft lassen die alltäglichen Schwierigkeiten(oft verbunden mit Ämterbesuchen, "Papierkram" oder schwere Arbeitsbedingungen) nicht zu, die Aufmerksamkeit den Kindern zu schenken. Oft erfährt man als Gegenüber viel mehr, wenn man den Menschen das Gefühl gibt viel Zeit für sie zu haben. Wie eine afghanische Mutter gesagt hat: "Bei Ihnen konnte ich endlich reden. In der Schule habe ich nach 30 Minuten mitten im Satz gehört "Die Zeit ist um". Wichtig ist, den Menschen Zeit zu geben sich frei und am besten in der Muttersprache zu äußern.

Neben allgemeinen Integrationsschwierigkeiten haben Migranten vor allem mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. So sind Arbeitslosigkeit und die daraus resultierenden finanziellen Nöte wichtige Themen in der Beratung. Jedes Elternteil und jede Familie hat einen Koffer voller Erinnerungen und Erfahrungen mitgebracht. Die Biografien der Familien sind unterschiedlich und erfordern eine individuelle Annäherung; einen individuellen Blick, der den Familien das Gefühl gibt ernst und gleichberechtigt mit den anderen Familien zu sein. Im Allgemeinen werden folgende Themen in der Beratung vorgebracht: Fragen zur Erziehung, Schwierigkeiten im Umgang mit pubertierenden Jugendlichen, Schwierigkeiten im Umgang mit der Wertevielfalt in Deutschland und den kulturellen Unterschieden zum Herkunftsland, Fragen zum Übergang Schule - Beruf, zum Ausbildungssystem und zur beruflichen Orientierung, Informationen zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen in Deutschland

Elternabende und Infoveranstaltungen
Bei der Organisation von Elternabenden und Infoveranstaltungen gab es oft Bedenken, ob die Eltern schließlich kommen. Da die Einladungsbriefe für alle Veranstaltungen in der Muttersprache verfasst wurden, verbesserte dies die Chancen "ernst behandelt zu werden". Die bestehende Kooperation mit den Schulen befestigte die Seriosität des Unternehmens. Die Zahl der eingeladenen Eltern, die zu Veranstaltungen gekommen sind, lag bei etwa 35%, was im Vergleich mit den schulischen Elternabenden(nach Informationen der Lehrer) als großer Erfolg einzustufen ist. Außer informativen Inhalt, ergab sich die Gelegenheit für die Eltern sich etwas besser oder überhaupt kennen zu lernen.

Vermittlung in die weiterführenden Schulen.
Im Januar bekommen die Schüler in Hamburg die Zwischenzeugnisse. Die Schüler der Abgangsklassen müssen sich mit den Zwischenzeugnissen an den weiterführenden Schulen, bei den Ausbildungsinstitutionen oder Alternativmaßnahmen bewerben. Daraus entstand die Idee Infoveranstaltungen in der Zeit von Januar bis Ende März zu organisieren mit dem Ziel die Eltern gezielt über die zukünftigen Möglichkeiten der Kinder zu informieren. Unter anderem sollte es gewährleistet werden, dass die Jugendlichen sich ordnungsgemäß und rechtzeitig anmelden, d.h. die Anmeldevorschriften verstehen und an die sich auch halten(In den Heimatländern muss man sich in der Regel nicht so früh um die Anschlussmöglichkeiten kümmern). Die Infoveranstaltungen sollten keinen Vortragscharakter haben, es war wichtig die individuelle Situation jeder einzelnen Familie in Betracht zu ziehen. Aus den zwei Veranstaltungen(für zwei Schulen) entstanden die "Interessengruppen", die eine gemeinsame Situation bei den Kindern haben(z.B. das Kind bekommt keinen Hauptschulabschluss und braucht eine Alternativmaßnahme). Dies gab den Eltern das Gefühl, dass sie mit ihren Problemen und Fragen nicht allein stehen und ermöglichte das gezielte Helfen und Informieren seitens des Projektes.

Hausbesuche
Auf das Angebot haben die angesprochenen Eltern anfangs zurückhaltend reagiert. Da die Hausbesuche eine bedeutende Rolle spielen, die Mittelziele zu erreichen und einen "guten Draht" zu den Eltern aufzubauen, sollte ihnen in allen Phasen des Projektes viel Beachtung geschenkt werden. Eine klare Unterstützung der Schule in Form einer Vereinbarung könnte hilfreich sein, da man als offizieller Kooperationspartner die Anerkennung in den Augen vieler Eltern gewinnt.

Kommunikationsgruppe.
Die Gruppe startete bereits im Oktober 2007. Die Gruppe sollte den Teilnehmern die Möglichkeit geben, sich gegenseitig kennenzulernen. Die Gruppe traf sich zweimal pro Woche mit einem deutschen Moderator, um die Themen zu besprechen, die für alle von Interesse sind, darunter beispielsweise die schulische Förderung der Kinder, religiöse oder kulturelle Hintergründe, berufliche Anforderungen und Erfahrungen. Alles, was für die Kommunikation auf Deutsch wichtig ist: Texte lesen und verstehen, Grammatik, aber auch Strategien, um effektiver Deutsch zu lernen und schwierige Situationen sprachlich zu meistern.

Vermittlung der Sprach- und Integrationssprachkurse.
Manche Elternteile haben das Angebot wahrgenommen an den 630-stündigen Integrationskurs teilzunehmen, um die Sprachkenntnisse zu befestigen um ein Zertifikat Deutsch zu bekommen. Sie können damit nachweisen, dass sie die erlernte Sprache in vielen Situationen des täglichen Lebens sowie im beruflichen Umfeld, einsetzen können. Dies bedeutet konkret, dass die Elternteile für sich einen beruflichen Weg in Deutschland anschlagen können.

Manche haben von diesen Möglichkeiten aber noch nichts gehört. Aus dem Grund ist es umso wichtiger, die Eltern auf die Möglichkeiten und Notwendigkeiten des Spracherwerbs aufmerksam zu machen. Da viele denken, dass es sich aus alterspezifischen Gründen nicht mehr lohnt die Sprache zu lernen, öffnen sich mit dem Erwerb von dem Zertifikat neue berufliche Wünsche. Es ist von primärer Bedeutung die Eltern auf die Wichtigkeit und die Notwendigkeit des Spracherwerbs aufmerksam zu machen. Es wird seitens des Projektes viel Wert darauf gelegt, den Eltern die beruflichen Möglichkeiten darzustellen, die sich mit dem Erwerb der Sprache für sie bieten können.

Gründung der Elterninitiative
Es wurde eine Elterninitiative an der Kooperationsschule Hermannstal gegründet. Das Ziel der Initiative ist es, möglichst viele Eltern mit Migrationshintergrund für die Mitarbeit in Gremien der Schule zu gewinnen. Durch die beschränkten sprachlichen Beteiligungsmöglichkeiten identifizieren sich die Eltern in der Regel nicht besonders stark mit der Schule ihrer Kinder und ziehen sich immer stärker zurück. Werden die Eltern über schulische Probleme, Entscheidungen und Erfolge ihrer Kinder rechtzeitig und vor allem kontinuierlich informiert, unterstützen sie auch die Arbeit der Lehrkräfte. Das Potenzial der Eltern soll zu Gunsten der Kinder und der Schule organisiert und mobilisiert werden. Es ist von großer Bedeutung, dass die Eltern in die Lage versetzt werden können, die schulische Entwicklung ihrer Kinder aktiver zu begleiten. Die Initiative soll nach Möglichkeit bis zum Sommer 2009 an der Schule fest verankert werden und bis auf weiteres selbständig existieren.

Nachhilfe für die Schüler der Kooperationsschule
Nach den Besuchen der Elternabende an der Kooperationsschule G 8 im Herbst 2008 entstand die Idee, eine Möglichkeit für die Schüler anzubieten, an den Nachmittagen ihre Leistungen in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathe zu verbessern. Die Tatsache, dass die Jugendlichen in der Schule oft schwache Leistungen zeigen, liegt oft an der Zeitmangel, die die Jugendliche benötigen, um die Sprache zu lernen. Die schwache Leistung bei den Kindern in der Schule ist unter anderem dadurch zu erklären, dass die bereits vorhandenen Kompetenzen nicht beachtet und anerkannt werden. Diese Faktoren führen dazu, dass im Allgemeinen die schulischen Leistungen der Migrantenkinder viel schlechter ausfallen, als es ihrer Intelligenz nach möglich wäre.

Neben den Maßnahmen, die die Eltern direkt betreffen, wird der Netzwerkarbeit und der Sozialraumarbeit in allen Phasen des Projektes eine wichtige Rolle zugesprochen. Die bisherigen Erkenntnisse zeigen: um Aktivitäten und Projekte durchführen und umsetzen zu können, muss man gute Kooperationspartner haben. Die Etablierung im Hamburger Raum erfolgte durch die Veranstaltungen der BQM, was zur Organisation des Arbeitskreises "Interkulturelle Elternarbeit" führte. Der Arbeitskreis dient als Verbindungsstelle für alle Beteiligten, die sich in Hamburg mit Elternarbeit befassen.

Besonders relevant für das Projekt Ausbildungsorientierte Elternarbeit sind unter anderem die Kooperationsbeziehungen zu:

Kooperationsschulen
 o  Die Gewerbeschule 8, an der die BVJM-Klassen (Berufsvorbereitungsjahr für Migranten) unterrichtet werden. Die Schule war dank langjähriger Zusammenarbeit mit dem JMD für das Projekt von Anfang an offen. Die Gewerbeschule 8 in Hamburg führt eine ganze Reihe von Maßnahmen und Angeboten im Bereich der Berufsvorbereitung und Berufsschule durch.
 o  Die Integrierte Haupt- und Realschule Hermannstal, die einen Anteil von 60 % Schüler mit Migrationshintergrund hat. Auch mit dieser Schule verbinden die JMD Hamburg-Mitte viele gemeinsame Projekte. Auch die Tatsache, dass die Schule schon seit langem erfolglos versucht, die Eltern zu aktivieren, hat zu einer Zustimmung der Leitung für eine Kooperation geführt.

Die Zusammenarbeit mit einigen Lehrern war ein erfolgreicher Faktor zum Erreichen neuer Familien, weil es oft die Lehrer sind, die zuerst ein Problemfeld in der Familie durch die Kinder in der Schule erkennen.

Viele Familien können ihre Kinder aufgrund der oft gravierenden sprachlichen Verständigungsprobleme mit Schulen und Ämtern auf dem Weg in die Ausbildung nur sehr eingeschränkt oder gar nicht unterstützen. Mitunter fungieren die Kinder gar als Dolmetscher für die Eltern und nehmen damit zwar eine wichtige Rolle im Familiengeschehen ein, aber gleichzeitig haben sie weniger Zeit sich auf die Schule zu konzentrieren

 - Agentur für Arbeit
 - Sprachkursträger (Volkshochschule, Akademiker Bund Hamburg, Samowar e.V.)
 - Ausbildungsservice (AHD: Ausbildungsservice für Handel und Dienstleistung)

Mit der russischen Schule "Asbuka" und der Gewerbeschule 20 in Hamburg- Bergedorf wurde die mögliche Kooperation erprobt. Die aktive Kooperation mit dem Flüchtlingszentrum Hamburg und der Türkischen Gemeinde Hamburg kam aus zeitlichen Gründen nicht zustande.

Stellungnahme zur Umsetzung von Gender Mainstreaming
Da das Ziel des Gender Mainstreaming ist, die unterschiedlichen Interessen und Lebenssituationen von Frauen und Männern in der Gestaltung von Prozessen und Arbeitsabläufen auf den gemeinsamen "Nenner" zu bringen, wird im Rahmen des Projekts versucht in der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit die Gleichstellung der Geschlechter zu berücksichtigen. Alle Maßnahmen des Projektes müssen den Belangen sowohl von Frauen aber auch von Männern gerecht werden und dazu beitragen die bisherige Ungleichheiten, die möglicherweise in den Heimatländern oder auch in Deutschland in irgendeiner Form stattgefunden haben, zu beseitigen. Stärkung der Eigeninitiative und Eigenverantwortung besonders bei Frauen gehören zu den Zielen des Projektes. Einer der Erfahrungen, die bereits im Projekt gemacht worden sind, ist die Tatsache, dass heterogene Elterngruppen mehr kreative und innovative Lösungen finden.

Oft leben Familien mit Migrationshintergrund nach traditionellen Rollenbildern aus den Heimatländern. Die Mütter haben meist eine hohe Verantwortung im Erziehungs- und Bildungsbereich, während die Männer die Familie zwar nach außen repräsentieren, sich aber weniger mit den damit verbundenen Problemen im Alltag auseinandersetzen und nur in Krisensituationen unterstützen. Auf der anderen Seite haben Frauen mit Migrationshintergrund oft Nachholbedarf was ihre Bildung und Weiterentwicklung angeht. Dies soll auch berücksichtigt werden. Eine berufliche Ausbildung für Mädchen ist genauso wichtig und wertvoll, wie für Jungen und damit soll die finanzielle Unabhängigkeit der jungen Frauen angestrebt werden.

Die jungen Männer werden ermutigt frauenspezifische Berufe etwas näher zu betrachten, Mädchen wiederum werden auch für handwerklich orientierte oder technische Berufsbereiche sensibilisiert. Die Vielfalt der Berufe und die damit verbundenen Möglichkeiten, die in Deutschland jungen Leuten, aber auch ihren Eltern offen stehen, warten nur darauf, entdeckt zu werden.

Im Allgemeinen lässt sich zusammenfassen, dass die gezielte Einbeziehung beider Elternteile in den Prozess der Berufswahl im Vordergrund steht. Die Sensibilisierung von Lehrern für die z. T. besondere geschlechtsspezifische Problematik in Familien mit Migrationshintergrund gehört ebenfalls zu den Aufgabenbereichen des Projektes

Schlussfolgerungen und Perspektiven
Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass die Anfangsphase des Projektes viel länger gedauert hat als ursprünglich gedacht. Es sollte erstmal die Basis für die eigentliche Arbeit geschaffen werden. Vertrauen aufzubauen benötigte viel Zeit. Als Folge kann man behaupten, dass die eigentliche Arbeit erst im Jahr 2008 beginnen konnte. Die Vorhaben des Projektes haben erst Anfang des Jahres 08 begonnen zu funktionieren.

Unter anderem zeigen die bisherigen Erkenntnisse: um Aktivitäten und Projekte durchführen und umsetzen zu können, muss man gute Kooperationspartner und engagierte "key persons"haben.

Damit die Ziele des Projektes gelingen, musste gezielt und individuell gearbeitet.werden. Man musste den Eltern das anbieten, was aus ihrer, nicht unserer Sicht nützlich ist: mit der Schulleitung sprechen, einen Termin beim Amt ausmachen, helfen, eine Wohnung zu suchen usw. Nur dann kann man mit geplanten Maßnahmen beginnen.

Die AWO Migration gGmbH, die das Projekt bis 1.Nov 08 durchgeführt hat, hat den Betrieb zum 31.12.08 eingestellt. Das Projekt wurde von der EVA Migra e.V. übernommen. Das Ziel war es, das Projekt erfolgreich zur Ende zu führen, um die Ergebnisse der 2,5 jährigen Arbeit zu sichern. Im Zuge des Wechsels zur Eva Migra e.V. blieben die inhaltlichen Schwerpunkte erhalten. Die Schließung der AWO Migration gGmbH - und die damit verbundene Unklarheit über die Zukunft des Projektes - war ein Hindernis und Bremsfaktor für die Planung der Maßnahmen im Projekt für das Jahr 2009.

Momentan befindet sich das Projekt in der abschließenden Phase. Genau evaluierbare Erfahrungen sind aufgrund der Laufzeit des Projektes leider von geringem Umfang. Nichtsdestotrotz lassen sich folgende Tendenzen bestätigen: Der Bedarf an Informationen und Unterstützung ist groß, die Bereitschaft und die Möglichkeiten des Erreichens der Eltern jedoch noch gering. Trotz allem sind bereits erkennbare Veränderungen aufgrund der Aktivitäten im Projekt spürbar. Viele Eltern wenden sich von alleine an uns, um einem Rat zu suchen. Die Eltern scheuen sich immer weniger, bei den Lehrern anzurufen, um über die Probleme ihrer Kinder zu sprechen. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda erfahren immer mehr Familien über das Projekt und kommen auf uns zu.
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